Das war … Taizé

Luxusurlaub in Taizé – mit dem 'gewissen Extra'

Unsere Tradition: eine Woche der Herbstferien in Taizé beim internationalen Jugendtreffen verbringen. Stille. Begegnung. Morgengebet. Mittagsgebet. Abendgebet. Schokolade zum Frühstück. Schlichtes Leben. Essen nur mit Löffeln und Fingern. Trinken aus 'Näpfen'. All das genießen. Mit 'dem Rest der Welt' mit Händen und Füßen reden und Freude in der Begegnung und in den kleinen Alltäglichkeiten und am gemeinsamen Arbeiten, Singen, Beten, Schweigen entdecken.

Und doch war in diesem Jahr manches anders. In den letzten Jahren haben wir im Feedback gesagt, dass wir finden, dass zu viel unnötiger Müll bei den Mahlzeiten verursacht wird. Taizé hat sich diesbezüglich sehr verändert. Kekse zu den Mahlzeiten, die beispielsweise immer einzeln verpackt waren, wurden nun unverpackt ausgeteilt. Wer am 'Oyak' sein Getränk im selbst mitgebrachten Becher bestellt, bekommt Rabatt. Dass ökologisch bessere und dennoch den Hygienestandards entsprechende Lösungen gefunden wurden, hat uns sehr gefreut!

Auch unsere Schlafsituation hat sich verändert. Zwei Stürme haben uns absolut durchnässt und unseren Zelten so übel zugesetzt, dass wir auf Notunterkünfte ausweichen mussten. Großartig, dass Taizé uns spontan und schnell helfen konnte. Und auch noch absolut luxuriös! Während wir in den letzten Jahren trotz abendlich befüllter Wärmflaschen manche Schnee- und Frostnacht vor uns hin schlotternden, bekamen wir Betten und es gab Heizungen! Für andere sind die 6 Bettbaracken auf engstem Raum vermutlich eher abschreckend – für uns waren sie: trocken, warm, Luxus pur. Quasi Wein. Hä? Was hat es damit auf sich?

Unsere Bibeleinführungen fanden in einem großen Saal statt. Menschen aus Slowenien, Kanada, Holland, Amerika, Belgien, Frankreich, Italien, Neuseeland, dem Sauerland ;0) und vereinzelte Personen aus anderen Ländern kamen zusammen und man puzzelte so lange herum bis alle mit Übersetzungen versorgt waren. Dann gab ein Bruder eine Einführung in den Text und es wurden Gesprächsgruppen international gemixt und beschäftigten sich mit Fragen und Aufgaben. In diesem Jahr waren wir im Johannesevangelium unterwegs. Einen Text möchten wir mit Ihnen teilen:

In Johannes 2, 1-12 geht es um das erste Wunder von Jesus. Er verwandelt auf einer Hochzeit Wasser in Wein. Frère Jasper – Bruder der Communauté Taizé - fragte, ob wir auch schon einmal darüber nachgedacht haben, dass dies ein bisschen seltsam für das erste Wunder Jesu ist? Jesus könnte doch vermutlich bedeutendere Dinge tun als eine Hochzeitsgesellschaft betrunken zu machen?! Johannes möchte, dass wir tiefer gucken. Die tiefere Interpretation könnte sein, dass Jesus möchte, dass die Hochzeit zwischen Gott und uns stattfindet. Dafür ist er auf die Welt gekommen. Weiterer Gedanke: Ein Leben ohne Wein ist möglich. Natürlich. Wein ist Luxus. Nicht notwendig. Der Wein steht dafür, dass Gott uns das 'gewisse Extra' zum Leben geben möchte. Wir können auch ohne Wein leben. Aber Jesus wandelt 6 Krüge in den besten Wein. Das ist unglaublich viel. Und er stellt auch noch besonders guten Wein her. Gott möchte dieses gewisse Extra für uns im Überfluss und in bester Qualität bereit halten.

Es war eine wunderbare Zeit und wir gehen mit Einladungen nach Holland, Slowenien und Kanada nach Hause; haben Snapchatkontakte ohne Ende ausgetauscht, gelacht, geweint, gelebt.

Taizé ist kein kleines, heiliges Dorf, das näher am Himmel ist. Es ist ein Ort des Lebens. Und das macht diese Fahrt zu einem Beginn. Einem Beginn unser Leben hier in Solingen mit neuen Impulsen zu gestalten. Sich Zeit nehmen für Stille, Begegnung mit Fremden (in Taizé lernt man, dass sie erstaunlich schnell vertraut werden), Zeit für Gott, Wertschätzung, Gespräche, Spaß, Gedankenspiele, Offenheit, gemeinsames Essen und Arbeiten und Zeit dafür jeden Tag das Besondere im Alltäglichen zu suchen.

Wir wünschen euch und ihnen, dass ihr auch ein taizéiansches Gefühl aus diesem kleinen Bericht über eine großartige, unvergessliche Zeit mitnehmt!

Claudia Wahl