… und hier als Textversion

Zum Nachlesen und Nachsinnen

Hinweis: Ganz unten gibts das Ganze auch zum Download.

Die Lieder finden sich in der YouTube-Version, zum Hören und Mitsingen.

 

Los geht’s:

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und den Heiligen Geistes.
Amen.
Willkommen bei Himmel und Erde.
Schön, dass Ihr da seid, mit hört und mit lest!

Es ist ein bisschen verrückt, aber wir haben mit dem letzten Himmel und Erde eine Reihe gestartet, die heißt „Anfänge“.
Neuanfänge.
Ausgerechnet jetzt.
Oder vielleicht – gerade jetzt?

Ich möchte erzählen, was Jesus erzählt hat – es weitet meinen Blick und gibt mir Mut.

 

Gebet:

Da sind wir, Gott, Jesus, Heiliger Geist, Geistkraft.
Diesmal so vereinzelt wie es nur geht.

Aber nicht alleine.
Und mit dir auch nicht einsam.
Es ist gut zu wissen, dass du alles siehst und hörst, was in uns ist.
Ob wir ratlos sind oder gelassen.
Ob wir ängstlich sind oder zuversichtlich.
Ob wir erschöpft sind oder voller Tatendrang.
Wir sind in deinen guten Händen.
Geborgen.
Getröstet.
Erlöst.
Jetzt schenk uns Geistkraft, erfrische und stärke uns.

Amen.

 

Predigt

(Text: Matthäusevangelium 13, 31-32)
Jesus erzählte der Volksmenge ein weiteres Gleichnis: »Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn: Ein Mann nahm es und pflanzte es auf seinem Acker ein. Das Senfkorn ist das kleinste von allen Samenkörnern. Aber wenn eine Pflanze daraus gewachsen ist, ist sie größer als die anderen Sträucher. Sie wird ein richtiger Baum. Die Vögel kommen und bauen ihr Nest in seinen Zweigen.«

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Hallo.

Hier ist die Geschichte … Jesus trifft sich mit einer Menge Leute.

Hört her, sagt er, ich erzähl euch jetzt von Gottes Welt. Also wohin das Ganze hier unterwegs ist. Das, was wir „Welt“ nennen. Die hat von Gott ein Ziel, eine Richtung.

Gottes neue Welt ist wie ein … winziges Samenkörnchen. 
Das hat ein Gärtner genommen und …

Einer ruft rein: … und dann ist es ihm weggerollt – geht mir auch immer so.

Tja, mit deinen Pranken, sagt ein anderer.

Alle lachen.

Jesus sagt: So ähnlich war es wohl. Auf jeden Fall - winzig.

Und dann, sagt Jesus, dann war es im Boden. Ausgesät.

Erde fest getreten, mit Wasser begossen.

Der erste ruft: Und dann stand er dumm rum!

So wie du gerade, sagt der zweite.

Jesus sagt: Vielleicht war er doch ein kluger Gärtner. Was konnte er noch machen?

Alle zucken mit den Schultern.

Nichts, sagt Jesus. Einfach nichts. Außer ein bisschen träumen vielleicht.

Doch nach langer Zeit, da … brach es durch die Erde. War erst klein und dann immer größer. Es wuchs.

Und noch einmal eine Zeit später, da war es ein Baum. Ein Baum und die Vögel kamen und …

… kackten! ruft der eine.

… bauten ihre Nester, sagt Jesus, hatten ein neues Zuhause zwischen Erde und Himmel.

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Ihr Lieben,

ich bekenne – er geht mir so leicht verloren, der Glaube. Dass aus dem Winzigsten etwas Großes wird.
Das Vertrauen, dass Gott alles zum Guten bringt.

Für mich muss man eine Kokosnuss verbuddeln statt eines Senfkörnchens.

Und im Moment scheint das kleine Pflänzchen von Gottes großartiger Welt wieder einzugehen.
Uns geht unsere geordnete Welt verloren.
Und klar, auch vor Corona gab es schon schwierige Themen und große Aufgaben. Klimarettung. Menschenrettung auf dem Mittelmeer.

Doch da gab es noch Fundamente von ordentlichem Leben. Auf denen wir demonstrieren und streiten konnten.

Jetzt seh ich Menschen leiden, denen es neulich noch gut ging. Ich sehe Menschen, die sich jetzt Sorgen machen um ihren Job, an dem die Familie hängt. Oder einfach Angst um ihre Gesundheit haben.

Gottes gute Welt scheint wieder auf Körnchengröße zu schrumpfen.

Wird aus dem Körnchen in der Erde noch die Pflanze?

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Ich stelle mir vor, ich wäre einer von denen damals gewesen. Im Pulk mit den andern. Ich spreche ihn an.

Jesus, hast du mal ne Minute.
Jesus, hilf mir.

Wie?

Ich sehe zuwenig. Ich glaube zuwenig.

Möchtest du das ändern?

Ja, sage ich.

Jesus sagt: In dieser Geschichte vom Samenkörnchen – was siehst du?

Ich sehe das Winzige.

Ok, sagt er, und was noch?

Ich sehe ein Pflänzchen, das durch die Erde bricht. Ein bisschen.

Ok, sagt er, und - hast Du das Ende noch vor Augen?

Baum!, sage ich.

Nein, sagt Jesus.

Nester.
Vögel, die ihre ihre Jungen aufziehen.
Weite. Himmel.
Und das alles aus dem Winzigsten.

Und da merke ich: ich vergesse so leicht. Ich glaube bis kurz über die Erde. Jesus glaubt bis in den Himmel.

Warum seh ich bloß so kurz?

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Leute, an dieser Stelle ist es Zeit, über Glaubenssätze zu reden. Nicht die kirchlichen Glaubenssätze.
Sondern die, die jeder Mensch hat. Dinge, die wir für so selbstverständlich halten, dass wir sie nie in Frage stellen.

Als ich Kind und Jugendlicher war, war so ein Glaubenssatz: Ich kann keinen Sport. Der Beweis war: Wenn Mannschaften gebildet wurden, wurde ich immer als Vorletzter gewählt. Ich bin nie auf die Idee gekommen, dass es vielleicht umgekehrt war – dass dieser Glaubenssatz das erst bewirkt hat, dass ich hintendran war.

Jeder von uns hat solche Glaubenssätze. Sie haben immer ein Körnchen Wahrheit. Doch der Rest an ihnen ist eine Lüge.

So ein Glaubenssatz ist zum Beispiel: Wenn du dich nicht um dich kümmerst, tut es auch kein anderer. Und schon fängt man an, Hamsterkäufe zu machen. 

So ein Glaubenssatz ist: Wir werden nie wieder so glücklich sein wie vorher. Und schon geht uns unsere Fähigkeit verloren, mit dem Schwierigen angemessen umzugehen.

Solche Sätze bewirken, dass wir höchstens auf Pflänzchen hoffen, aber nie auf Bäume, die sich zum Himmel strecken.

Ich hab sie gekannt, diese Geschichte von Jesus, wie er da Gottes Welt im Werden beschreibt, ich hätte gewusst, dass sie vom Körnchen bis zur großen Pflanze reicht. Aber bis zum Baum? Ich hätts nicht gewußt. Ich hab sogar bei Wikipedia nachgeschaut, ob es Senfbäume gibt, Jesus erzählt hier ja von einem Senfkorn. Es gibt Senfbäume!

Und, habt Ihr es noch im Kopf? Es geht bei Jesus nicht bis zum Baum, sondern bis zum Himmel. Da kommen die Vögel, bauen ihre Nester, Zuhause für neues Leben zwischen Himmel und Erde, so weit geht das Bild.
Zuhause für neues Leben, und es fing in einem Körnchen an.

Leute, atmet durch. Es ist alles weiter und größer, auch wenn wir uns gerade eng fühlen. Gottes Welt ist im Wachsen und Werden.

Und es gibt im Übrigen eine Menge Menschen, die beweisen es uns gerade. All jene, die im Geiste Jesu jetzt anpacken, schenken, anrufen, Dienst schieben, die Zähne zusammenbeißen oder sogar lachen und strahlen; in den Straßen singen und abends eine Kerze ins Fenster stellen.

Und ich seh dann doch die Vögel im Anflug und sie haben Zweige im Schnabel und fangen an, die Nester zu bauen.

Amen.

 

Infos:  

Die Gottesdienste bleiben noch länger auf der Website.
Und wir überlegen, was es für Kinder geben könnte.
Für Jugendliche haben zwei Mitarbeiter*innen am Freitag schon einen ASK-Jugendgottesdienst gemacht, auf Instagram. Das wird weitergehen!
Aktuelles gibt es jeweils vorne auf luki.de!

Gebet:

Wir beten für alle, die jetzt weltweit anderen dienen, die pflegen, begleiten, untersuchen, testen, trösten, auf dass sie Zuversicht und Kraft behalten.
Gott, erbarme dich.

Wir beten für alle, die Angst haben, die in ihrer Seele alleine sind, die jetzt nicht unterscheiden können zwischen unbequem und bedrohlich – stell ihre Füße auf weiten Raum.

Wir beten für die Kranken, die jetzt alle Kraft in Körper und Seele und Geist brauchen, um gesund zu werden. Gott, gib Mut und Energie.

Wir beten für Eltern, die Kinder betreuen und schon jetzt erschöpft sind. Für die Kinder, die durcheinander sind, irritiert. Und für alle, deren Leben gerade sehr anstrengend ist. Erbarme dich.

Wir beten für die, die jetzt noch mehr vergessen werden, für die wir jetzt noch weniger tun können. Obdachlose in unseren Städten, Menschen an Europas Grenzen, Menschen im Krieg, in Idlib und sonstwo.
Gott, erbarme dich.

Und jetzt beten wir das Vaterunser:
Unser Vater im Himmel
geheiligt werde dein Name
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser täglich Brot gib uns heute
Und vergib uns unsere Schuld
Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
Und führe uns nicht in Versuchung
sondern erlöse uns von dem Bösen
Denn dein ist das Reich
Und die Kraft
Und  die Herrlichkeit
in Ewigkeit

Amen

 

Friedensgruß

An dieser Stelle reichen wir uns in der Lutherkirche immer die Hände und sagen: Friede sei mit dir!
Das können wir jetzt nur virtuell tun. Doch das können wir tun!
Wie wäre es, wenn Ihr gleich nach dem Segen an einen Menschen eine SMS schickt oder jemanden anruft – „Friede sei mit dir!“?

 

 

Segen

Wir gehen weiter mit Gottes Segen, den wir hören, empfangen, weitergeben.
Wenn ihr die Worte lest, sprecht sie ebenfalls, egal wo ihr seid.
Aus vielen Wohnungen wird so eine große Kirche.

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns.

Gott wende uns sein Angesicht zu und schenke uns seinen Frieden.

Amen.