Auszeit anders.

Herzlich willkommen zur zweiten Auszeit anders.

Heute hören Sie drei Kompositionen zum Karfreitag. Sie stammen von Gottfried Kirchhoff und Johann Sebastian Bach.

Praeludium und Fuge in c-moll

Gottfried Kirchhoff wurde 1685 in Mühlbeck als Sohn eines Bauern geboren. Vor allem der dortige Pfarrer war es, der ihm zunächst den Besuch der Dorfschule und dann eines Gymnasiums in Halle an der Saale ermöglichte. Einer seiner Klassenkameraden dort war der im gleichen Jahr geborene Georg Friedrich Händel, mit dem gemeinsam Kirchhoff Unterricht bei Friedrich Wilhelm Zachau, dem Organisten der Marktkirche erhielt. Als dieser 1709 starb, bewarb sich Kirchhoff um seine Nachfolge, gewählt wurde aber zunächst der ebenfalls 1685 geborene Johann Sebastian Bach. Erst als dieser die Stelle wegen der zu geringen Besoldung ablehnte, ging sie an Kirchhoff. In seine Amtszeit fallen dann unter anderem Planung und Bau der großen Cuntzius-Orgel, an deren Abnahme auch Johann Sebastian Bach beteiligt war.

Kirchhoff als Komponisten erleben Sie zunächst mit einem Praeludium und Fuge in c-moll.

Für viele von Ihnen gehört zum Karfreitag, eine der großen Passionen zu erleben, zumeist die Johannes- oder Matthäuspassion Johann Sebastian Bachs. Kirchhoffs kleines Präludium erinnert von ferne an deren Eingangschöre mit ihren eindringlichen Harmoniefolgen über festen rhythmischen Bässen. Seine Fuge mag heute eine der wunderbaren Bach-Arien ersetzen.

„O Lamm Gottes unschuldig“ (EG 190.1)

Eine eindrückliche Stelle im Eingangschor von Bachs Matthäuspassion ist der Einsatz des Fernchores, der den Passionschoral „O Lamm Gottes unschuldig“ (EG 190.1) anstimmt. Er stammt von Nicolaus Decius und gehört in den Umkreis von Martin Luthers Bemühungen um eine Deutsche Messe, wo er für das „Agnus Dei“ steht. Wie das bekanntere „Christe, du Lamm Gottes“ schließt auch Decius’ Text mit der Bitte um Frieden.

Die nun erklingende Choralbearbeitung zu diesem Lied findet sich in den sogenannten „Neumeister Chorälen“. Das ist eine Sammlung von Choralbearbeitungen des jungen Johann Sebastian Bach. 1852 erwarb sie ein amerikanischer Sammler, 1873 wanderte sie in die Bibliothek der Yale-Universität und wurde erst zu Beginn der achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts wiederentdeckt. Das „O Lamm Gottes unschuldig“ ist ein Stück von berührender Zartheit, das aus drei Strophen besteht.

„Herzlich lieb ich dich, o Herr“ (EG 397)

Auch der Choral „Herzlich lieb ich dich, o Herr“ (EG 397) steht in Beziehung zu einer Passionsmusik Johann Sebastian Bachs. Mit dem Text der dritten Strophe „Ach Herr, lass dein lieb’ Engelein“ beschließt er die Johannespassion. Aber anders als in der dort so beeindruckenden Mächtigkeit kommt er in der Chaconne Gottfried Kirchhoffs ganz still daher. Der Komponist verwendet die ersten absteigenden Noten der Choralmelodie als immer wiederkehrendes Bassmotiv, die linke Hand steuert in gebrochenen Akkordfiguren die Harmonien bei und in der rechten Hand erklingt die Choralmelodie.

Ich wünsche Ihnen Freude beim Hören, Mitsummen und Mitbeten.
Bleiben Sie behütet

Herzlich:
Ihr Ludwig Audersch