Auch wir aus verschiedenen Kirchen in Solingen freuen uns, dass es den Klingenpride gibt. Wir sind gerne mit dabei!
Weil wir glauben, dass Gott uns divers geschaffen hat. Weil wir glauben, dass Gott alle Geschöpfe liebt, wie Gott sie gemacht hat. Weil in unserer Bibel steht: „Alles soll bei euch in Liebe geschehen!“ (1. Korintherbrief 16,14). Daran wollen wir uns messen lassen!
Es passiert schon einiges in der Kirche:
- Queere Menschen engagieren sich auf allen Ebenen
- Gleichgeschlechtliche Paare heiraten kirchlich
- Kirche und ihre Sprache ändern und sensibilisieren sich
- Diversität wird sichtbarer
Gleichzeitig möchten wir noch dazulernen – kommt gerne mit uns in Kontakt!
Hier findet Ihr Adressen von beteiligten Gemeinden und Menschen:
Evangelische Luther-Kirchengemeinde
Pfarrer Christian Lerch
0212 81 02 23
lerch@luki.de
Freie evangelische Gemeinde Solingen-Aufderhöhe
Pastor Volker Muhlack
pastor@feg-aufderhoehe.de
Thomas Sonnhüter
Mitglied der Gemeindeleitung
thomas.sonnhueter@feg-aufderhoehe.de
Netzwerk Coming-In-FeG: www.coming-in.de/feg
Alt-Katholische Gemeinde Düsseldorf
Sara Sust
Pastorale Mitarbeiterin
0177 759 11 61
sara.sust@alt-katholisch.de
Grußwort zum Klingenpride 2026 vom Evangelischen Kirchenkreis
Liebe Menschen auf dem Klingenpride,
„Flagge zeigen“ heißt das Motto für den diesjährigen Klingenpride.
„Flagge zeigen“ – nicht nur weil im letzten Jahr verboten wurde, die Regenbogenflagge zum CSD auf dem Reichstag zu hissen, „Flagge zeigen“ – nicht nur weil die AfD in unserer Stadt Regenbogenfahnen von den Schulen verbannen will, „Flagge zeigen“ – weil die queere Community und alle, die für Respekt, Toleranz und Vielfalt eintreten, es mit zunehmenden Anfeindungen, Hass und Hetze zu tun bekommen. Als im vergangenen Herbst das WDR-Fernsehen darüber berichtet hat, dass diese Lutherkirche von der Evangelischen Kirchengemeinde nicht über 2030 hinaus finanziert werden kann, da gab es im Internet jede Menge hasserfüllte Kommentare: „Kein Wunder, dass die Kirche den Bach runtergeht, wenn dort solche Fahnen aufgehängt werden“, hieß es dort. Gemeint war die Regenbogenflagge dort oben an der Orgelempore.
Ich war erschrocken, wie viel Hass diese Fahne als Zeichen für Vielfalt und Toleranz auslösen kann. Ich war erschrocken, weil dieser Hass ja eigentlich nicht der Fahne gilt, sondern allen, die als anders wahrgenommen werden, die sich nicht länger verstecken wollen, die ihr Leben genauso selbstverständlich in der Öffentlichkeit leben wollen, wie alle anderen auch. Diese Fahne mit ihren leuchtenden Farben soll als queeres Symbol die Vielfalt in unserer Gesellschaft sichtbar machen. So wie auch der Klingenpride die Vielfalt in unserer Stadt sichtbar machen soll. Darum wollen diejenigen, die diese Vielfalt unsichtbar machen wollen, die lesbische, schwule, bisexuelle, transidente, queere, non-binäre, asexuelle und andere Menschen unsichtbar machen wollen, als erstes diese Fahne unsichtbar machen.
Als Evangelische Kirche sollen wir uns aber dafür einsetzen, dass Gottes Vielfalt sichtbar bleibt. Weil wir glauben, dass Gott Vielfalt will. Weil wir glauben, dass Gott Vielfalt geschaffen hat. Weil wir glauben, dass Gott Vielfalt ist. Die Bibel zeigt uns Gott nicht nur als Vater, als Richter, als Herr. Sie nennt Gott auch Mutter oder Zuflucht. Wenn im Ersten Testament „Gottes Barmherzigkeit“ übersetzt wird, steht im Hebräischen Urtext „Gottes Mutterschoß“. Gott ist nicht männlich. Er ist auch nicht weiblich. Gott ist nichts davon. Oder beides zugleich! Gott ist eben Vielfalt. Gott hat Vielfalt geschaffen. Als Christenmenschen glauben wir, dass jede Person einzigartig ist: von Gott geschaffen und von Gott so gewollt. Alle Menschen sind Ebenbilder Gottes – in der Vielfalt ihrer Identitäten. Egal, ob sie LGBTQIA oder Cis sind. Und als Kirche sollen wir dafür einstehen, dass Gottes Vielfalt sichtbar wird. So wie mit dieser Fahne an der Orgelempore. Auch als Evangelische Kirche wollen wir Flagge zeigen.
Die Regenbogenfahne ist das Symbol für diese Vielfalt. Ein Symbol - nicht weniger, aber auch nicht mehr. Für uns als Evangelische Kirche heißt Flagge zeigen darum auch, uns Mühe zu geben auf dem Weg zu einer vielfaltssensiblen Kirche. Und es heißt: uns an die Seite der Menschen zu stellen, die bedroht werden, beleidigt, bedrängt, weil sie Vielfalt öffentlich leben. Unsere Landessynode, das oberste Parlament unserer Evangelischer Kirche im Rheinland, hat im vergangenen Februar noch einmal bekräftigt, dass sich in unseren Gemeinden Menschen jedweder Geschlechtsidentität und sexuellen Orientierung wahrgenommen und wertgeschätzt fühlen sollen. Und sie hat in diesem Zusammenhang Kirchengemeinden und Kirchenkreise dazu aufgerufen, „sich persönlich und konkret mit allen zu solidarisieren, die von Hass und menschenverachtender Hetze betroffen sind“.
Wenn in unserem Land Regenbogenfahnen als Zeichen von Respekt, Toleranz und Vielfalt aus der Öffentlichkeit verbannt werden sollen, dann können wir als Evangelische Kirche nicht neutral bleiben. Wenn Menschen beleidigt, bedroht oder angegriffen werden, weil sie öffentlich zeigen, wie vielfältig unsere Gesellschaft ist, dann können wir nicht neutral bleiben. Dann wollen wir Flagge zeigen. Haltung zeigen. Und Klartext reden: im Namen von Gottes Vielfalt. Und damit diejenigen, die im Namen der Intoleranz angegriffen werden, wissen, dass sie sich bei uns eingeladen, wahrgenommen, respektiert und, wo nötig, geschützt fühlen dürfen.
Vielen Dank!
Thomas Förster,
Referent für Presse und Öffentlichkeitsarbeit
im Evangelischen Kirchenkreis Solingen